Stefan Pölt: Zusammentreffen

Zusammentreffen

© Stefan Pölt

Diese langen Haare
schweben mit ihr mit,
höchstens zwanzig Jahre,
wehn bei jedem Schritt,
diese langen Haare.

Diese enge Bluse
fast ein wenig knapp,
freudig musterst du se
zeichnet alles ab,
diese enge Bluse.

Diese kurze Hose
hüllt nur, was sie muss,
was ich da an Po seh,
ist ein Hochgenuss,
diese kurze Hose.

Diese schlanken Beine
ähneln Heidi Klums,
stöckeln über Steine
wie am Laufsteg – rums!
Diese scheiß Laterne!

***

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Gedichte, Stefan Pölt, Haare, Po, Bluse, Heidi Klum, Laufsteg

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Stefan Pölt: So jedenfalls nicht!

So jedenfalls nicht!

© Stefan Pölt

Ich möchte nicht erschlagen werden,
auch nicht erdrosselt, -dolcht und -stickt,
nicht überrollt von Büffelherden
und nicht zerbombt im Grenzkonflikt.

Kein Unfall soll mein Leben kürzen,
kein Attentat und auch kein Mord,
Ich möchte nicht vom Felsen stürzen,
von Brücken oder über Bord.

Auf keinen Fall will ich verbrennen,
an Krankheit sterben oder Gift,
im Kugelhagel wie John Lennon,
durch Sturz aus einem Sessellift.

Auch lehn ich Tod durch Altersschwäche
genauso ab wie Suizid
und dass ich mir das Rückgrat breche,
weil sich ein Flusspferd auf mich kniet.

Der Sensenmann hört meine Klage
und sinnt: An Todesarten käm
dann aber nicht mehr viel in Frage…
Na und, Gevatter? Dein Problem!

***

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Gedichte, Stefan Pölt, Leben, Tod, Gevatter

Stefan Pölt: So ziemlich alles

So ziemlich alles

© Stefan Pölt

Und die Liebe und das Leben
und die Laune und die Lust
und das Nehmen und das Geben
und die Freude und den Frust

und die Freiheit und den Panther
und des Frühlings blaues Band
und den Birnbaum, letztgenannter
aber nur im Havelland,

auch die Hoffnung und das Bangen
und die Liebe – war schon dran? –
dann halt Sehnsucht und Verlangen
und den Hund von nebenan,

neben diesen das Erwarten,
die Moral, das Moor, den Mond,
auch Gefühle aller Arten
(nichts und niemand wird verschont)

und das Herz sowie die Treue,
Freundschaft, Götter, Ehre, Schwur,
auch die Liebe – ja, aufs Neue! –
und die Schönheit der Natur,

außerdem noch die Dämonen,
das Verbrechen und den Hass,
Krankheit, Kriege und Kanonen,
Tod und Teufel – sonst noch was?

Ja, die Liebe (wie berichtet),
das Bewahren und den Brauch
haben Meister schon bedichtet –
kaum zu glauben! Ich jetzt auch!

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Stefan Pölt: Aufgespürt

Aufgespürt

© Stefan Pölt

Von jetzt auf gleich war er verschwunden
und wurd seitdem nicht mehr gefunden.
Jetzt sitzt sie vor den Fotokisten,
fragt still »Wo bist’n?« und vermisst’n.

War es ein schreckliches Verbrechen?
Wollt sich ein Todfeind an ihm rächen?
Nach Wochen sind die Polizisten
noch ohne Spur – und sie vermisst’n.

Dann kommt heraus, er hat ’ne Neue
und zog zu ihr – das war’s mit Treue.
»Am besten wäre, du vergisst’n!«,
rät ein Freundin – sie vermisst’n!

Doch auch die Wut wird immer schlimmer,
jetzt liegt er regungslos im Zimmer.
Die Pietät schickt Fragelisten,
sie nimmt den Zollstock und vermisst’n.

***

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Gedichte, Stefan Pölt, vermisst

Stefan Pölt: Fast oben ohne

Fast oben ohne

© Stefan Pölt

Mit der Zeit und mit den Jährchen
blieb ihm nur ein einzges Härchen,
das er sorgsam hegte, pflegte,
wusch und dann zur Seite legte.

›Harry‹, wie er’s zärtlich nannte,
bildete die elegante
linke Seite von dem Scheitel,
glattgefönt – da war er eitel.

Neulich träumte er im Kissen,
Harry wäre ausgerissen,
wachte auf – vor Schreck ganz fahl:
Um ein Haar wär ich jetzt kahl!

***

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Gedichte, Stefan Pölt, Haar, Glatze, Harry

Stefan Pölt: Ganz in Weiß

Ganz in Weiß

© Stefan Pölt

Sie hängt an seinen Lippen
und meint, das lässt ihn cool.
Die Lage droht zu kippen
und mit ihr auch sein Stuhl.

Schon oft war er geblendet
und fragt sich jetzt ganz bang,
wie dieses Date wohl endet?
Vermutlich auf dem Gang.

Er starrt in ihre Augen,
sie starrt in seinen Mund
und fängt dann an zu saugen
ganz tief in seinem Schlund.

Ein Mann ist hier verloren,
wie sehr er sich auch sträubt.
Er stößt auf taube Ohren
und ist doch selbst betäubt.

Ihr weiter nahzukommen,
ist schwierig vor dem Gehen.
Er stammelt leicht benommen:
»Hau Hokto, Hiedachehn!«

***

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Stefan Pölt: Häusliche Berufsberatung

Häusliche Berufsberatung

© Stefan Pölt

»Ach Mutter, ich weiß nicht, was soll ich mal werden?«
»Mein Kind, es gibt tausend Berufe auf Erden.
Was macht dir denn Spaß? Hast du etwa Talent in
Intrigen und Machtkampf, dann werde Regentin.«

»Nein, Mutter, da hat man doch viel zu viel Stress in
der täglichen Arbeit – wie wär’s mit Prinzessin?«
»Ich weiß nicht, ich fände es besser, du strebst in
der römischen Kirche hinauf bis zur Päpstin.

Wie meine Bekannte, zum Beispiel, die lebt in
dem Kloster von Athos als griechische Äbtin.«
»Was sagst du da, Mutter? Man kommt nur als Mann in
das Kloster…« »Na sowas?! Dann werd halt Tyrannin.

Du liebst doch Schikane und quälst uns bis spät in
die Nacht…« »Halt, jetzt hab ich’s – ich werde Poetin!«
»Poetin? Die schreibt doch so Lyrik und Dichtung?«
»Hab Dank für den Wink in die richtige Richtung!«

***

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Stefan Pölt. Einäugiger unter den Blinden

Einäugiger unter den Blinden

© Stefan Pölt

Im Grunde ist der Menschen Darm
an Sinneseindruck ziemlich arm.
Er riecht und schmeckt kaum – was ein Glück! –
er fühlt nicht viel und hört kein Stück.
Nur ab und zu, mit viel Geschick,
riskiert er einen kurzen Blick.

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Stefan Pölt: Abgenagt

Abgenagt

© Stefan Pölt

Erst quält der Mensch als Scheißerchen
sich mit den ersten Beißerchen,
doch später dann als Milchgesicht
erinnern sich die Knilche nicht,
wie noch im ersten Lebensjahr
ihr Kauversuch vergebens war.

So freut sich jedes kleene Kind,
wie praktisch erste Zähne sind,
auch wenn bereits von diesen zehn
auf wackeligen Füßen stehn.
Die zweite Reihe mag es nicht,
zu warten, drängt ans Tageslicht
und sorgt dafür, in weißem Matt,
dass man als Mensch zu beißen hat.

Doch kämpfen dann Imperien
von Karies-Bakterien,
bis vieles vom einst stolzen Biss
des Zahns dahingeschmolzen is
und der Dentist nur lückenhaft
die Kluft zu überbrücken schafft.

Wenn dann der Mensch bequem getrennt
von seinen dritten Zähnen pennt,
gelingt ein ganz spontaner Schmatz
im Bett nur ohne Zahnersatz.
Es ist, gemäß der Lage hier,
der Zahn der Zeit ein Nagetier.

***

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Stefan Pölt: Warnhinweise

West Zigaretten Rauchen Warnhinweise

Warnhinweise

Warnhinweise

© Stefan Pölt

Auf Zigarettenschachteln steht,
›Wer raucht, der endet tödlich‹,
am Haifischbecken umgedreht
›wer taucht, der endet rötlich‹.

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Stefan Pölt: Gedächtnislücke

Gedächtnislücke

© Stefan Pölt

Frau Degenhardt ist außer sich,
sie buk grad einen Bienenstich
für Freundin Marianne.
Jetzt fehlt ein Stück. »Iff wa daff nifft«,
gelobt ihr Mann, auf den sie trifft –
und zwar mit einer Pfanne.

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Stefan Pölt: Beeilung

Beeilung!

© Stefan Pölt

Lesen Sie weiter,
bleim Sie nicht stehn!
Nichts ist hier heiter,
nichts erogen!

Auf geht’s, verweilen
Sie nicht zu lang
in diesen Zeilen!
Kommen’s in Gang!

Trödeln Sie bitte
nicht so herum!
Ab durch die Mitte!
Schaun Sie sich um:

Gleich hinter Ihnen
droht schon Radau –
grimmige Mienen,
elender Stau!

Hörn Sie das Grollen
derjen’gen, die’s
auch lesen wollen?
Los, Leser, lies!

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Stefan Pölt: Morgenstund hat Blei im Arsch

Morgenstund hat Blei im Arsch

© Stefan Pölt

Mal wieder lange rumgehangen,
das Weckerschrillen wird zur Qual,
wer will schon morgens Würmer fangen?
Der frühe Vogel kann mich mal!

Halbblind in Richtung Küche tasten,
dort steht mein täglich Koffein,
im Weg steht auch der Werkzeugkasten
und nötigt mich zum Niederknien.

Der kleine Zeh ist angebrochen,
ein Tarzanschrei erfüllt die Luft.
Ich bin zurück ins Bett gekrochen –
wie schnell doch der Elan verpufft!

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Alfons Pillach: Der Zahn der Zeit

Der Zahn der Zeit

© Alfons Pillach

Als Kind, da kanntest du nicht Sorgen
auf deinen unbedachten Wegen,
dein Kindheitstraum hielt dich geborgen
und war dir ungeahnt ein Segen.

Bald war vorbei die Zeit der Träume,
du legtest ab das Kinderkleid,
die Seligkeit zerrann wie Schäume
im trüben Wechselspiel der Zeit.

Dort auf der Bank, schon reif an Jahren,
sitzt mit gebeugtem Haupt ein Mann,
er hat den Lauf der Welt erfahren:
Der Zahn der Zeit, er nagt dich an.

***

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Alfons Pillach: Simple Kritzelei

Saarbrücker Graffiti - Van Gogh

Saarbrücker Graffiti – Van Gogh

Simple Kritzelei

© Alfons Pillach

Gern wäre ich ein guter Maler,
so was wie ein Van Gogh in Klein,
ich malte dann viel triumphaler
und zöge in Museen ein.

Doch leider kann ich gar nicht malen,
nicht mal ein schlichtes Hühnerei,
darum will niemand was bezahlen
für meine simple Kritzelei.

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Alfons Pillach: Sei immer du!

Sei immer du!

© Alfons Pillach

Manch einer sucht in seinem Leben
nach einem eigenen Profil,
er gibt sich Mühe bei dem Streben,
doch nie erreicht er dieses Ziel.

Ein Rat dazu aus meiner Feder:
Sei immer du, sei niemals jeder,
sei nicht ein Teil der öden Masse,
denn individuell ist klasse.

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Alfons Pillach: Nicht nur genetisch

Nicht nur genetisch

© Alfons Pillach

Was wir den Genen so verdanken,
bringt manches Weltbild stark ins Wanken:
Die Gene halten uns gefangen,
so wie den Tiger Käfigstangen.
Man kann den Genen nicht entfliehen,
das Schicksal hat sie uns verliehen.

Hat jemand schlechten Mundgeruch,
ist’s selten seiner Gene Fluch,
auch wenn er, was es manchmal gibt,
es auf bestimmte Gene schiebt.
Nur Ausrede! Es ist von Nutzen,
die Zähne jeden Tag zu putzen.
Somit ist – das ist nicht prophetisch –
das, was wir sind, nicht nur genetisch.

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Stefan Pölt: Mangelhaft

Mangelhaft

© Stefan Pölt

Du empörtest dich beim Hörtest,
dass da nichts zu hören war
und verspätest dich zum Sehtest,
denn der Hinweg war nicht klar.

Auch beim Paartest offenbartest
du zu wenig Leidenschaft
und vermutest, beim IQ-Test
sei die Lösung fehlerhaft.

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Stefan Pölt: Unfassbar

Unfassbar

© Stefan Pölt

Mensch, stellt euch vor, ihr werdet es nicht glauben,
ein Trio wollt die Kronjuwelen rauben!
Genau genommen warn die drei nur einer,
nicht allzu kräftig, eher so ein Kleiner.

Es warn auch nicht direkt die Kronjuwelen,
er wollte eine Handvoll Murmeln stehlen.

Gut, stehlen ist vielleicht jetzt übertrieben,
er kaufte in dem Spielzeugladen sieben
der bunten Kugeln in ’nem kleinen Kasten.
Jetzt sagt schon, Leute – wie verrückt ist das denn?

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Stefan Pölt: Lichtblick

Lichtblick

© Stefan Pölt

Kunibert, in Ketten, kauert
tief im Kerker und bedauert,
dass er einst des Königs Tante
»fette Henriette« nannte.

Lange hofft er auf ein Wunder,
dass ihn wer befreie und er
nicht in einer dunklen Ecke
seines Zellenlochs verrecke.

Und dann wird er doch tatsächlich
noch begnadigt und kommt schwächlich,
knochig und mit weißen Haaren,
raus nach sechsunddreißig Jahren.

Was die These untermauert,
dass so’n echtes Wunder dauert.

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Stefan Pölt: Spannungsbogen

Spannungsbogen

© Stefan Pölt

Elektromeister Kurt S. Schlüsse
erklärt dem Lehrling grad die Flüsse
des Stromes im Verteilerkasten:
»Wenn man nichts sieht, dann hilft nur Tasten.

So mach ich’s auch bei meiner Hille.«
Es blitzt und kracht kurz, dann ist Stille.
Frau Hilde Schlüsse ist in Trauer,
ihr Mann um eine Kenntnis schlauer.

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Evelyn Morgenroth: Mit Haaren kannst Du vieles machen

Mit Haaren kannst Du vieles machen

© Evelyn Morgenroth

Ob Haarpracht, lang und üppig wallend,
oder einfach öde fallend:
Mit Haaren kannst Du vieles machen,
wie zum Beispiel diese Sachen!

Du kannst Dir das Haar toupieren,
es in Wellen ondulieren.
Du kannst Deine Zotteln tönen
und Dir eine Tolle föhnen.

Du kannst Dir den „Pelz“ frisieren,
dass er aussieht wie bei Tieren.
Schwänze, wie bei Pferd und Ratten,
geht mit Haaren, selbst mit glatten.

Igelschnitt und Löwenmähnen
(keine Haare auf den Zähnen)
Pony vorne, hinten Zopf,
macht sich gut auf jedem Kopf.

Strähnig wirkt es ungepflegt,
dank Strähnchen wirkt das Haar belebt.
Und wünschst Du Dir am Haupt mehr Leben,
dann kann Dir das die Kopflaus geben.

Du kannst die Haare wachsen lassen
und im Dutt zusammenfassen.
Zeigst Du Mut zur Dauerwelle,
sieht das chic aus, auf alle Fälle.

Ferner kannst Du anvisieren,
Haar, das stört, zu epilieren,
wenn es wächst an falscher Stelle.
Mit Kaltwachs geht das auf die Schnelle!

Du kannst Deine Haare bleichen
und um Haarglanz zu erreichen,
schüttest Du Dir Bier aufs Haupt.
Den Rest zu trinken ist erlaubt.

Dazu ein paar Schillerlocken,
das haut Dich völlig aus den Socken.
So erscheint Dir völlig schnuppe
jedes Haar, auch in der Suppe.

Und ist einmal ein Haar gespalten?
Ein Fachmann wird des Amtes walten.
Auf Neudeutsch heißt der Mann Coiffeur,
auf Deutsch nennt man ihn schlicht Friseur.

Er ist zugleich ein Hairstylist
und trachtet, dass die Haartracht sitzt.
Er wird Dir die Frisur drapieren
und hinterher Dein Geld kassieren.

So musst Du ständig Haare lassen
und um ein Haar und kaum zu fassen,
frisst Dir – Du bist ein armer Tropf –
Dein Kind sogar das Haar vom Kopf.

Nun willst Du ihm die Haare stutzen!
Das wird Dir leider gar nichts nutzen.
Es gleicht die Brut, und das ist wahr,
Dir – dem Erzeuger – bis aufs Haar.

Da sträubt sich Dir, Du kannst’s nicht packen,
das Haupthaar und das Haar im Nacken.
Du brauchst sofort Drei-Wetter-Taft,
das Spannkraft für den Haarwuchs schafft.

Und trotzdem raufst Du Dir die Haare.
Sie gehen aus im Lauf der Jahre.
Dein Schopf beginnt sich schon zu lichten.
Doch willst aufs Haar Du nicht verzichten.

Dir fällt, das wird sich rasch entpuppen,
vom Auge, nicht vom Kopf, der Schuppen:
Man kann die Haare implantieren!
Das wird Dich völlig ruinieren.

So werden Dich stets Sorgen quälen.
Die darfst Du haarklein mir erzählen,
auch wenn die Dinge haarig sind.
Trotz Bubikopf bin ich kein Kind!

Ich werde Dich zu trösten wissen.
Du wirst den Kopfschmuck nicht vermissen.
Denn eines wird auch Dir jetzt klar:
Es krümmt Dir keiner mehr ein Haar!

***

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Martina Decker: Du und Ich

Du und Ich

© Martina Decker

Wäre ich ein Garten
du wärst die Rose;
ich ein Haus
dann du der Zaun,
der sich schützend vor mich stellt

Wäre ich ein Buch
du wärst jedes Wort;
ich dorrende Erde
dann du der Regen,
der segensvoll auf mich fällt

Wäre ich ein Schiff
Du wärst mein Hafen;
ich die dunkelste Nacht
dann du das Licht,
das mich tröstend erhellt

Wäre ich ein Lied
wärst du die Melodie;
Ich ein Gedicht
Du die Poesie
Ich eine …

Doch:
bin ich einfach nur ich
und
Ich liebe dich!

***

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Gedichte, Martina Decker, Valentinstag, Liebesgedicht

Martina Decker: Muttertag

Muttertag

© Martina Decker

Machst so vieles möglich
Was mir wichtig, doch nicht nötig
Bist mein Wunscherfüller

Streichelst meinen Kummer sanft
Fort mit zarter Hand
Bist mein Seelentröster

Ziehst mich immer wieder hoch
Ganz egal, wie tief das Loch
Bist mein Rettungsseil

Stellst dich schützend vor mich hin
Wenn ich in Gefahren bin
Bist mein Schutzengel

Erträgst mit stoischer Gelassenheit
Von mir heraufbeschwor’nen Streit
Bist mein Blitzableiter

Hältst mich fest, dass ich nicht zu weit treibe
Mich verliere in des Lebens großer Weite
Bist mein Rettungsanker

Gabst mir Wurzeln, die mich hielten
später Flügel um zu fliegen
Bist mein Zuhause

Danke …
Für das, was ist, was wird und war
für jeden Tag, für jedes Jahr
für jede Stunde und Minute

Ich wünsch dir alles Liebe, alles Gute
und dass wir immer zu einander steh’n
auch wenn wir irgendwann getrennte Wege geh’n

Ich bin so froh, dass es dich gibt
Mit einem Satz:
Ich hab dich lieb!

***

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Alfons Pillach: Du kommst und gehst

Saarbrücker Graffiti

Saarbrücker Graffiti

Du kommst und gehst

© Alfons Pillach

Man bat dich nicht, als du geboren,
auf dieser Bühne zu erscheinen,
in einer Wiege selbstverloren
war dein erster Laut ein Weinen.

Du warst ein Kind, der Zeitenbogen
trug dich geschwind zum reifen Mann,
zu schnell, du bist der Zeit betrogen,
als finge sie erst gestern an.

Dein kurzer Auftritt geht zu Ende,
du atmest Zeit, ein kurzes Glück,
in deinem Schoß die greisen Hände,
so richtest du den Blick zurück.

***

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Gedichte, Alfons Pillach, Kind, Alter, Zeit, Lebenslauf

Alfons Pillach: Opa beim Frühstück

Opa beim Frühstück

© Alfons Pillach

Der Opa saß am Frühstückstisch
mit Tageszeitung als Lektüre,
das Weißbrot duftete ganz frisch,
dazu gab’s feine Konfitüre.

Da kam die Oma in die Küche
und sah verdutzt den Opa an,
sie hörte nämlich Opas Flüche
und meinte ganz genervt sodann:
„Warum hast du so hohle Wangen?
Warum lutscht du die Weißbrotstangen?
Nun hör doch endlich auf zu lallen!“

Der Opa meinte nur dazu:
„Lass, Frieda, bitte mich in Ruh!
Mir ist das dämliche Gebiss,
weil’s lang schon locker war, gewiss
in meinen Pot Kaffee gefallen.“

***

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Gedichte, Alfons Pillach, Opa, Frühstück Gebiss, Kaffee

Alfons Pillach: Als der Milchpreis sank

Als der Milchpreis sank

© Alfons Pillach

Ein Bauer hatte fünfzehn Kühe,
tagtäglich gab er sich viel Mühe
im Stall mit seinem lieben Vieh,
er stand auf Bio, nicht Chemie.
Er hat sie jeden Tag gemolken,
bei Sonne, Regen und bei Wolken.
Die EU hat ihm nichts geschenkt:
Der Preis für Milch wurde gesenkt.
Er dachte sich: ‚Bei diesem Preis
für Milch lohnt sich nicht mehr mein Fleiß.’
Zum Schlachten ging’s für vierzehn Kühe,
man holte sie in aller Frühe.
Doch seine Lieblingskuh, die Ilka,
die wurde lila Kuh bei Milka.

***

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Gedichte, Alfons Pillach, Bauer, Kuh, Kühe, Milchpreis, lila Kuh, Milka, Milch