Alfons Pillach: Der Zahn der Zeit

Der Zahn der Zeit

© Alfons Pillach

Als Kind, da kanntest du nicht Sorgen
auf deinen unbedachten Wegen,
dein Kindheitstraum hielt dich geborgen
und war dir ungeahnt ein Segen.

Bald war vorbei die Zeit der Träume,
du legtest ab das Kinderkleid,
die Seligkeit zerrann wie Schäume
im trüben Wechselspiel der Zeit.

Dort auf der Bank, schon reif an Jahren,
sitzt mit gebeugtem Haupt ein Mann,
er hat den Lauf der Welt erfahren:
Der Zahn der Zeit, er nagt dich an.

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Gedichte, Alfons Pillach, Zeit, Zahn, Alter

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Alfons Pillach: Simple Kritzelei

Saarbrücker Graffiti - Van Gogh

Saarbrücker Graffiti – Van Gogh

Simple Kritzelei

© Alfons Pillach

Gern wäre ich ein guter Maler,
so was wie ein Van Gogh in Klein,
ich malte dann viel triumphaler
und zöge in Museen ein.

Doch leider kann ich gar nicht malen,
nicht mal ein schlichtes Hühnerei,
darum will niemand was bezahlen
für meine simple Kritzelei.

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Gedichte, Alfons Pillach, Van Gogh, Maler, Kritzelei, Windfarben

Alfons Pillach: Sei immer du!

Sei immer du!

© Alfons Pillach

Manch einer sucht in seinem Leben
nach einem eigenen Profil,
er gibt sich Mühe bei dem Streben,
doch nie erreicht er dieses Ziel.

Ein Rat dazu aus meiner Feder:
Sei immer du, sei niemals jeder,
sei nicht ein Teil der öden Masse,
denn individuell ist klasse.

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Gedichte, Alfons Pillach,

Alfons Pillach: Nicht nur genetisch

Nicht nur genetisch

© Alfons Pillach

Was wir den Genen so verdanken,
bringt manches Weltbild stark ins Wanken:
Die Gene halten uns gefangen,
so wie den Tiger Käfigstangen.
Man kann den Genen nicht entfliehen,
das Schicksal hat sie uns verliehen.

Hat jemand schlechten Mundgeruch,
ist’s selten seiner Gene Fluch,
auch wenn er, was es manchmal gibt,
es auf bestimmte Gene schiebt.
Nur Ausrede! Es ist von Nutzen,
die Zähne jeden Tag zu putzen.
Somit ist – das ist nicht prophetisch –
das, was wir sind, nicht nur genetisch.

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Gedichte, Alfons Pillach, Gene, Zähne putzen, Mundgeruch

Alfons Pillach: Du kommst und gehst

Saarbrücker Graffiti

Saarbrücker Graffiti

Du kommst und gehst

© Alfons Pillach

Man bat dich nicht, als du geboren,
auf dieser Bühne zu erscheinen,
in einer Wiege selbstverloren
war dein erster Laut ein Weinen.

Du warst ein Kind, der Zeitenbogen
trug dich geschwind zum reifen Mann,
zu schnell, du bist der Zeit betrogen,
als finge sie erst gestern an.

Dein kurzer Auftritt geht zu Ende,
du atmest Zeit, ein kurzes Glück,
in deinem Schoß die greisen Hände,
so richtest du den Blick zurück.

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Gedichte, Alfons Pillach, Kind, Alter, Zeit, Lebenslauf

Alfons Pillach: Opa beim Frühstück

Opa beim Frühstück

© Alfons Pillach

Der Opa saß am Frühstückstisch
mit Tageszeitung als Lektüre,
das Weißbrot duftete ganz frisch,
dazu gab’s feine Konfitüre.

Da kam die Oma in die Küche
und sah verdutzt den Opa an,
sie hörte nämlich Opas Flüche
und meinte ganz genervt sodann:
„Warum hast du so hohle Wangen?
Warum lutscht du die Weißbrotstangen?
Nun hör doch endlich auf zu lallen!“

Der Opa meinte nur dazu:
„Lass, Frieda, bitte mich in Ruh!
Mir ist das dämliche Gebiss,
weil’s lang schon locker war, gewiss
in meinen Pot Kaffee gefallen.“

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Gedichte, Alfons Pillach, Opa, Frühstück Gebiss, Kaffee

Alfons Pillach: Als der Milchpreis sank

Als der Milchpreis sank

© Alfons Pillach

Ein Bauer hatte fünfzehn Kühe,
tagtäglich gab er sich viel Mühe
im Stall mit seinem lieben Vieh,
er stand auf Bio, nicht Chemie.
Er hat sie jeden Tag gemolken,
bei Sonne, Regen und bei Wolken.
Die EU hat ihm nichts geschenkt:
Der Preis für Milch wurde gesenkt.
Er dachte sich: ‚Bei diesem Preis
für Milch lohnt sich nicht mehr mein Fleiß.’
Zum Schlachten ging’s für vierzehn Kühe,
man holte sie in aller Frühe.
Doch seine Lieblingskuh, die Ilka,
die wurde lila Kuh bei Milka.

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Gedichte, Alfons Pillach, Bauer, Kuh, Kühe, Milchpreis, lila Kuh, Milka, Milch