Stefan Pölt: Abgenagt

Abgenagt

© Stefan Pölt

Erst quält der Mensch als Scheißerchen
sich mit den ersten Beißerchen,
doch später dann als Milchgesicht
erinnern sich die Knilche nicht,
wie noch im ersten Lebensjahr
ihr Kauversuch vergebens war.

So freut sich jedes kleene Kind,
wie praktisch erste Zähne sind,
auch wenn bereits von diesen zehn
auf wackeligen Füßen stehn.
Die zweite Reihe mag es nicht,
zu warten, drängt ans Tageslicht
und sorgt dafür, in weißem Matt,
dass man als Mensch zu beißen hat.

Doch kämpfen dann Imperien
von Karies-Bakterien,
bis vieles vom einst stolzen Biss
des Zahns dahingeschmolzen is
und der Dentist nur lückenhaft
die Kluft zu überbrücken schafft.

Wenn dann der Mensch bequem getrennt
von seinen dritten Zähnen pennt,
gelingt ein ganz spontaner Schmatz
im Bett nur ohne Zahnersatz.
Es ist, gemäß der Lage hier,
der Zahn der Zeit ein Nagetier.

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Stichwörter:
Gedichte, Stefan Pölt, Zahn, Zähne, Zeit, Lebenslauf

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